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Ente vom Holzkohlengrill

Es ist eher ein Freizeitvergnügen, als etwas Effektives, wenn ein Mensch glaubt, er müsse eine Ente auf dem Holzkohlengrill zubereiten. Ich habe es gemacht und schreibe diesen Beitrag, um vernünftige Menschen davon abzuhalten.

Es war ja alles da. Die Ente, gekauft beim Gänsepeter in Ramrath, wo es doch tatsächlich außer Gänsen auch noch anderes Geflügel gibt. Wer hätte das gedacht. Wir hätten besser fertige Entenbrust gekauft, aber mich lockte das Spiel mit dem Feuer.

Zum Kugelgrill von Weber nutze ich einen Anzündkamin und einen Geflügelständer. Die Ente wurde am Tag vorher innen und außen gesalzen, gepfeffert und mit Kräutern aus dem Garten gefüllt. Mangels Majoran nahm ich Oregano, das ist immer da und wuchert das Jahr über vor sich hin. Dazu Thymian. Wuchert weniger, ist aber auch immer da.

 

Den Anzündkamin fülle ich mit Original-Weber Holzkohlebriketts. Die halten lange genug vor, man muss nicht nachlegen. Der Anzünder ist elektrisch und sieht aus wie ein Tauchsieder. So glimmen die Kohlen ziemlich schnell und ich behüte meine Nachbarn und mich vor zuviel Qualm. Die glimmenden Kohlen kommen links und rechts im Grill hinter eine kleine Sperre. Das ermöglicht, indirekt zu grillen. Die Ente wird stehend auf den Geflügelständer gesetzt, der so heißt, weil das Geflügel in der Tat steht und nicht liegt. Der Ständer hat eine Schale, in die man etwas hineintun kann. Ich habe „Rinke Mangsurer Brüderberg Muschelkalk patience“ aus Mertesdorf/Mosel hineingegossen. Und einige halbe Knoblauchzehen dazu gelegt. Den Ständer in die Mitte des Grills gesetzt, den Deckel obendrauf. Das geht aber nur, wenn der Kugelgrill entsprechend groß dimensioniert ist. Als ich ihn kaufte, habe ich tatsächlich darauf geachtet.

 

Die Temperaturanzeige steigt dann ziemlich schnell auf 300 Grad Fahrenheit. Das muss der Grill so anzeigen, weil er ein patriotischer Amerikaner ist. Die Celsius-Anzeige ist darunter und sagt mir, dass es mehr als 150 Grad sind. Ich werfe etliche Räucherchips, vorher leicht angefeuchtet, auf die Kohle. Es soll eine geräucherte Ente werden.

Nun kokelt der Grill zwei Stunden vor sich hin. Neugierig hebe ich gelegentlich die Haube und freue mich, dass die Ente anfängt zu bräunen.

Nach zwei Stunden ziehe ich dicke Grillhandschuhe an, hole den Ständer aus dem Grill und setze ihn auf einen großen Teller. Die Brühe im Untersatz des Ständers wandert in eine Schüssel, wird zur Mahlzeit nicht mehr gebraucht. Hole die Kräuter aus der Ente heraus und schneide die Ente mit einer Geflügelschere in zwei Teile. Erster Fehler, hätte sie besser geviertelt, weil das halbe Ungetüm auf dem Teller etwas unhandlich groß ist.

Dann beginnen die Pseudo-chirurgischen Operationen mit Messer und Gabel auf dem Teller, wobei ich mir immer wünsche, ein sachkundiger Ober hätte die Ente vorher tafelfertig zerlegt. Oder es gäbe eine Küchenhilf-Maschine, die das Gerippe vom Fleisch trennt. Beides steht nicht zur Verfügung.

Aber, oh Wunder, das Entenfleisch schmeckt ganz hervorragend. Optimal gewürzt. Schön knusprig braun. Wer sagt es denn. Dazu trinken wir  Rose Saignee fruchtig, von Harteneck im Markgräfler Land, dann den Mosel weiter. Vom „Altes Gewürzamt“ Ingo Holland aus Klingenberg am Main und „the Hemp Style Würzsauce“ von Petry/Bosfood stammen die verschiedenen Soßen.

Ente gut, alles gut, könnte man jetzt kalauern. Habe ich aber schon zu oft gehört, mag ich nicht mehr. Denn jetzt kommt, was alles etwas vergällt. Grill säubern, Asche in die Tonne, möglichst erst dann, wenn sie nicht mehr glüht. Sie wissen ja, seitdem Sie lesen können, dass man keine heiße Asche in die Tonne füllen soll. Stand früher überall drauf.

Dass das Besteck und der ganze Grillkram gesäubert und aufgeräumt werden muss, ist ja auch klar.

Also, vernünftige Menschen tun sich das nicht an. Sie gehen ins Restaurant und bestellen Gänsebrust a la carte.

 

Heinz Elflein

10.10.2021