Black Tiger flambiert

Schwarze Tiger, mit Pernod flambiert

Vom Fischgroßhandel Nikolaou in der Düsseldorfer Heesenstraße bringe ich einen Beutel eingefrorene Black Tiger Prawns mit. Ich gehe gerne dorthin, wo offensichtlich sämtliche griechischen Restaurants in Düsseldorf und Umgebung einkaufen.

Ganz wohl ist mir nicht dabei, waren doch fürchterliche Aufzuchtmethoden kürzlich in einem TV-Bericht zu sehen, wo Reporter in Vietnam Fischfarmen ausspioniert haben. Aber ich setze mich darüber hinweg und unterstelle mal leichtsinnigerweise, dass diese hier sauber und auch ohne Antibiotikareste sind.

Die schwarzen Tiger sind schon geköpft und der Darm ist entfernt. Jetzt muss man sich überlegen, ob man sie mit oder ohne restlicher Schale in die Pfanne hauen will. Wir entscheiden uns für die zweite Variante und Marianne hat damit Arbeit.

Außerdem wollen wir die tigerartig gemusterten kleinen Biester flambieren, haben wir uns überlegt. Das ist angewandte Pyromanie und Technik und somit mein Resort. Wenn ich schon auf Fußballplätzen keine Bengalos werfe.

Weil es mein Resort ist, soll es professionell zugehen. Was sonst. Habe genau zugesehen, was der Kellner macht, wenn er am Tisch flambiert. Von unten muss die offene Flamme die Pfanne erhitzen, mit der dann etwas herumgewackelt wird, bis das Feuer überspringt und sich über den Alkohol hermacht, wie das nun mal Alkoholiker jeder Gattung gerne tun. Es liegt dem Feuer im Blut.

Jetzt geht es los. Marianne ist schon fast fertig und ich muss mich um die Gerätschaften kümmern. Nicht so leicht für den sogenannten Hausherrn, der sich ansonsten nicht darum kümmert, wo in Küche und Keller etwas steht.

Mir ist schon klar, was ich brauche. Einen Brenner, der das Feuer gibt, ein Gestell, auf dem die Flambierpfanne steht und die Flambierpfanne. Ist ja alles im Hause. Als ich Marianne mitteile, dass ich das Gestell brauche, auf dem sonst immer der Fonduetopf steht, wird es leicht konfuzius. Was hat denn flambieren mit Fondue zu tun? Garnix, sage ich, aber ich brauche etwas, wo ich die Pfanne drauf stellen kann. Wieso, die Pfanne wird doch auf dem Elektroherd erhitzt. Jetzt muss ich mich mit meiner geballten technischen Kompetenz und weil ich der Mann bin, durchsetzen. Wie soll denn das Feuer vom Elektroherd überspringen? Nein, sage ich, sie kommt über den Gasbrenner. Damit setze ich mich durch und bekomme das Gestell, das ich selbst niemals gefunden hätte.

Jetzt suche ich den Brenner. Die mit Paste gefüllten Brenner, die man normalerweise bei Fondue benutzt, mag ich nicht. Sie sind mir suspekt und zu gefährlich, weil es bei der Anwendung leicht zu pyromanischen Sondereinlagen mit Menschen- und Materialbeschädigungen kommt. Habe ich selbst zweimal erlebt. Einmal als Zuschauer und einmal als dämlicher Akteur.

Vor einigen Monaten habe ich einen Mini-Gasbrenner der Firma Kisag bestellt. Das Gerät ist eine kleine Schönheit. Wir haben es schon mehrfach benutzt. Wenn es voll befüllt ist und man nicht zu lange braucht, reicht es für eine Fondue-Sitzung. Weil wir Fondue in die Länge ziehen und viel Rotwein trinken, reicht eine Füllung nie. Aber das wäre auch bei Weißwein so.

Der Brenner steht auf einer Holzunterlage, darüber das Gestell für die Pfanne. Ich drehe den Regler des Brenners nach links und zünde mit einem Kerzen-Gasanzünder an. Das Feuer wird auf klein gestellt. Nun kommt Marianne mit der Pfanne, in der die eingeölten Tigerchen mit Olivenöl angebraten worden sind. Die Pfanne hat sie dabei mit Knoblauch ausgerieben.

Den Pernod hatte ich vorsichtshalber in ein Stamperl abgefüllt. Er kommt jetzt in die heiße Pfanne, bevor die Tigerchen trocken werden. Zsccchh.

Nun kommt meine Profi-flambieren-Prozedur. Ich hebe die Pfanne, schwenke sie so lange mit dem Rand zum Feuer, bis dieses blau überspringt und den Alkohol in einer Riesenflamme verbrennt. Sieht ganz schön gefährlich aus. Die Pfanne kann nun auf kleiner Flamme auf dem Brenner bleiben. Von dort kommen die Biesterchen in die Teller.

Dazu trinken wir einen Chardonnay von Luckert aus Sulzfeld am Main.

Der Abend wurde noch ein voller Erfolg. Wir haben nichts anderes mehr gegessen.

Ich glaube, flambieren am Tisch gefällt uns jetzt. Vielleicht gibt es bald flambierte Pfannkuchen mit Marillen-Marmelade und Kürbiskern-Sauce.

Der Kisag-Brenner ist jetzt von Marianne aufgeräumt worden, womit sichergestellt ist, dass wir ihn immer finden.

Soeben habe ich einen zweiten Brenner bestellt. Damit beim Fondue elegant ein Gerätewechsel durchgeführt werden kann, wenn wir zuviel Fleisch im Pott haben.

 

Heinz Elflein

Das war Oktober 2013

aufgewärmt September 2022

 

Olga aus Spanien schreibt hierzu: 

Hallo amigos.
Die Schwarze Tiger die du gekauft hast heißen hier Langostinos, sind sehr lecker ich bereite sie ähnlich wie Ihr, nur den Knoblauch hacke ganze klein und flambiert mit brandi an ende füge dazu scharfer Paprika Pulver .
Schmeckt auch das Brot in die Sauce zu dippen.