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Spaghetti&Stars Düsseldorf-Oberkassel

 

Als wir das Ristorante am Sonntag, den 12.01.2021 um 13.00h betraten, wurden wir schon am Eingang vom Konterfei eines Gastes begrüßt, der wusste, wie man großen Hunger stillt und dies augenscheinlich macht.

Hinter der Eingangstür informiert ein Plakat an der Wand, Luigi sei tot, aber erst morgen. Naja, was hat er schon in dieser Gesellschaft zu suchen. Trinken wir einen Limoncello auf ihn.

Unser reservierter Platz in der Ecke ließ es zu, fast das ganze Lokal zu überblicken. Mehrere Blicke waren mir die jungen Frauen auf dem Gemälde wert, die ihre Spaghetti auf allerliebste sympathische Art verzehrten. Hätte dies aber lieber live gesehen. Ich werde meinen männlichen Umkreis befragen, ob Ihnen diese Art des Verzehrs gefallen würde.

Das Lokal war bereits sehr gut gefüllt. Meist jüngere Leute vieler Nationen. Vielleicht weil es auch Pizza gibt. Wir waren von der Atmosphäre angetan, zu der die bildende Kunst humoris und auch die Cameriere positiv beitrugen.

 

Vorspeisen:

Crema di Pomodori (Tomatensuppe). Antipasti und Polipo el ceci (Krake und Kichererbsen).

Mit der Antipasti war Marianne zufrieden. Die Polipos enttäuschten, hätte sie gerne knusprig gehabt. Sollten auch nicht mit der Lupe gesucht werden müssen. Hier tat sich der Unterschied zu einem Ristorante Gourmet auf , wo es etwas aufgeräumter auf den Tellern aussieht (Loriot). Geschmeckt hat es.

Hauptspeisen:

Burger vegetarisch.

Gut, das ich das nicht essen musste. Hier störte mich alles. Schon der Name. Renate hat es geschmeckt.

Kalbsleber Salbeibutter.

Marianne war hingerissen. Von der Zubereitung an sich und auch von Spinat und Kartoffelpüree. Die Menge überraschte, es waren drei Scheiben Kalbsleber. Ich musste ihr beim Verzehr helfen.

Spaghetti Babycalamari.

Der zweite Reinfall für mich. Fast eine Kopie der Polipos. Die Calamari zur Unkenntlichkeit zusammengeschnitten und von Spaghetti mit Tomaten zugematscht. Davon eine Riesenmenge. Hätte für den hungrigen Herrn im ersten Bild gereicht. Hat gleichwohl geschmeckt, ich habe es aber nicht geschafft. Auch für Nachspeisen waren wir zu sehr abgefüllt.

Resümee: Das Sptzenlokal, das ich aufgrund der Bewertungen erwartet hatte, war es nicht. Aber ein sattmachender Italiener, wo es schmeckt. Kommen gerne wieder, aber bestellen keine klein geschnetzelten Meerestiere mehr.

Im Hinausgehen äußerte ich die Bitte, mit Luigi zu sprechen, was mir verwehrt wurde. So konnte ich den armen Kerl leider nicht warnen.

Heinz Elflein

13.01.2021

 

Nachschlag vom 26.10.2021

Manchmal sollte man seine eigenen Rezensionen lesen. Was ich nicht getan habe. Erinnerlich war mir nach neun Monaten nur noch, dass wir uns bei den Spaghetti-Artisten eigentlich ganz wohlgefühlt haben. Also wieder nix wie hin nach Oberkassel, meiner frühen Düsseldorfer Heimat ab der 60er Jahre. Mit denselben Begleitpersonen. Will nicht sagen, es hinterher bereut zu haben. Total vergessen hatte ich die Enttäuschung vom Januar bei Pulpo und Baby-Kalamari. Auf Spaghetti mit Baby-Kalamari bin ich nämlich wieder hereingefallen. Obwohl es für sich betrachtet eigentlich kein Reinfall war, das Gericht ist durchaus schmackhaft. Halt nicht so konzipiert, wie ich mir das vorstelle. Glaube, den Oberkasseler Pseudo-Mafiosis durchaus vormachen zu können, wie man es besser macht.

Wenn ich sie Pseudo-Mafiosis nenne, sind sie selber schuld, das Bild mit der Ankündigung des morgigen Todes von Luigi hängt nämlich immer noch an der Wand. Es ist schon 30 Jahre alt, sagte mir der Cameriere. Was heißt, dass die Mafiosis doof sind, weil sie Luigi immer noch nicht erwischt, eliminiert und einbetoniert haben. Oder ganz abgefuckt, weil sie nur so tun als ob. Wer weiß das. Vielleicht liegt der Betonbrocken mit Luigis Leiche irgendwo unter der Oberkasseler Brücke im Rhein oder am Heerdter Dreieck. Oder im Löricker Loch.

Marianne nahm wieder das Antipasti. Hatte auch vergessen, es im Januar schon einmal gegessen zu haben. Beim Italiener müssen Frauen Antipasti essen. Fischsuppe hatte ich hier vorher noch nicht konsumiert. Italienisch köstlich und ich frage mich, warum offenbar nur italienische Ristorantes so etwas Feines anbieten. Franzosen können es eigentlich auch, aber versuchen Sie mal, eine authentische Bouillabaisse zu bekommen. Muss ich wohl wieder mal fischsuppenmäßig nach Ostfriesland zu Otto fahren. Diese Suppa di Pesce gab es mit einer Riesengarnele, Muscheln und dem rötlichen, sehr pikanten Wahnsinns-Sud. Eine Garnele braucht es eigentlich nicht zwingend für eine gute Fischsuppe, macht sich aber gut, nicht nur optisch. Werde das nächste Mal dem Cameriere „senza la ciotola sagen. Jetzt können Sie gerne raten, was das heißt.

 

Renate nahm die große Gemüsesuppe. Heißt Minestrone auf italienisch. Hat aber nix mit Ministranten zu tun, die damit gefüttert werden, damit sie die großen Kerzen tragen können, wie ich mal vermutet hatte.

 

Auf der Karte standen auch Gerichte mit weißen Alba-Trüffeln. Da bezweifle ich stark, dass Trüffel aus Alba schon im Oktober den Weg in ein italienisches Ristorante in Deutschland finden. Ganz unmöglich ist es nicht, aber ich habe garnicht danach gefragt, wo die Trüffel wirklich herkommen (geschmuggelt aus Slowenien?). Auf solche Fragen antworten Ristorantes sowieso ausweichend. Albatrüffeltuber magnatum pico - werden in Italien in der Region Piemont, Toskana, Emilia-Romagna, Umbrien, Latium und Marken geerntet.  Über Tartufo kann ich eine ganze Menge erzählen, das würde hier aber den Rahmen sprengen. Wer welche haben möchte, kauft sie besser bei Bosfood in Büderich, sogar schockgefroren für 6,15 € per Gramm.

Das sind die klassischen weißen Wintertrüffel, Sommertrüffel sind billiger, weil sie schwarz sind. Bekannt sind auch die aus dem Perigord. Wer Lebensmittel nicht mag, die nach dem Sexualstoff des Ebers riechen, sollte es bleiben lassen. Wer doch – die Trüffel aus Istrien kosten weniger als die Hälfte der italienischen – sollte es mal ganz unvoreingenommen mit einem Glas leichten Spätburgunder oder Weißburgunder versuchen. Spumante geht auch. Wir trinken Moscato d`Alba dazu.

 

Weil ich aber noch etwas meckern will, muss ich sagen, es gab kein Angebot für einen Aperitif vom Cameriere, kein gezapftes Bier, Altbier aus der Flasche, Warsteiner alkoholfrei, italienisches Bier. Warsteiner meide ich sowieso, nachdem ich einmal einen Test über Biere gelesen habe, der mich zweifeln ließ, ob das Reinheitsgebot bei Warsteiner eingehalten wird. Mit gezapftem Pils tun sich unsere Azurris schwer.

Das wäre aber mein Aperitif.

Beleuchtung abgedunkelt, was munkeln im Dunkeln begünstigen mag, aber aus diesem Alter sind wir raus. Haben auch nicht gesehen, dass junge Leute mit kaputtgemachten Jeans das Angebot angenommen hätten. Das braucht man heute nicht mehr. Aber Renate hatte eine Taschenlampe dabei.

Die Tische sind nur etwa 40 cm breit, was verhindert, dass große Platten aufgetragen werden können, wie man sie auf den Bildern alter Meister sieht.

Wenn man für circa 150 € konsumiert, gibt es bei anderen Italienern noch einen Limoncello gratis.

Gleichwohl, das Lokal war an diesem Dienstag gegen 19 Uhr voll gefüllt.

Die Strafe, nach Oberkassel gefahren zu sein, ereilte mich, als ich unseren Pkw aus der Tiefgarage am Barbarossaplatz holte. Parkhaus 9 € für 2 Stunden und eine angebrochene Minute. Da bemächtigten sich meiner standepede einige gehässige Gedanken bezüglich der Gier der Betreiber und der Unfähigkeit der Programmierer, die ich hier aber keineswegs niederschreiben darf.

Wenn wir das nächste Mal nach Oberkassel fahren, gehen wir zu Saitta und parken schwarz vor der Kirche. Petrus wird uns das durchgehen lassen.

 

Heinz Elflein

27.10.2021