Kloster Langwaden

Wollten wir doch am 19.08.22 nach dem Ende der großen Hitzewelle, aber immer noch bei Temperaturen von 28 Grad, beschaulich an einem netten Ort im Grünen sitzen und gut speisen. Kloster Langwaden im Rhein-Kreis-Neuss hatten wir uns auserkoren. Dort gibt es einen ansprechenden Biergarten mit Klosterbier und bürgerlichen Speisen, von denen offenbar Mönche glauben, dass ihre bürgerlichen Glaubensgenossen sie mögen. Weil ich aber nichts ohne Reservierung mache, habe ich angerufen. Leider vergeblich. Mehrfach innerhalb zweier Stunden. Nun bin ich aber nicht katholisch und sehr protestantisch - in jeder Beziehung - also ist zwangsläufig niemand ans Telefon gegangen und wir überlegten schon Alternativen. Martin Luther ist es vermutlich schuld, kann aber nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden. Das änderte sich, als die streng katholische Renate anrief, da wurde sofort abgenommen und mitgeteilt, man freue sich auf uns. Es wäre noch Platz draußen, reserviert würde nur drinnen. Worauf wir uns denn aufmachten, ins Grevenbroicher Hinterland.

Am Eingang des Biergartens hat uns der Biergarten-Petrus empfangen und die Plätze zugewiesen. Wenn ich eines Tages vor Petrus mit dem langen Bart im Himmel Einlass begehre, möchte ich es nicht anders haben. Mit naturtrübem Klosterbier. Das Bier in Langwaden heißt Klosterbier, weil es auf Klostergelände ausgeschenkt wird. Den Klosterbruder mit brauner Kutte und kreisrundem Haarausfall vor dem Braukessel gibt es heutzutage nicht mehr. Das Bier kommt von der Brauerei Bolten aus Korschenbroich. Ich kaufe es bei Edeka und da heißt es "Bolten Uralt."

Die Küche eines Klosters ist kein Gourmetpalast. Geht wirklich nicht. Folgerichtig muss es des Deutschen Leibgericht geben. Schweineschnitzel, zu Hochdeutsch Schnitzel Wiener Art. Und Goulaschsuppe. Die wirklich auf das Wohl der Gäste bedachte Bedienung hat mich davor bewahrt, beides zu bestellen. Denn die hausgemachte Goulaschsuppe mit Paprika, Pilzen, Kartoffeln und Vinschgauer Brot sättigt hungrige Schwerarbeiter, pensionierte Gartenvertikutierer oder zwei Frauen. Was Marianne und Renate beherzigt haben und die wirklich sehr patente Bedienung hat das Gefäß für sie vorhersehend auf zwei große Tassen aufgeteilt. Meine Begleiterinnen nahmen noch Kräuterdrillinge mit Paprika und Mischpilzen sowie etwas mit Ziegenkäse.

Innerhalb der Einzäunung des Biergartens ist auch ein kleiner Spielplatz für Kinder, die nicht still am Tisch sitzen können, wie wir es in unserer Kinderzeit leider immer gemusst haben.

Moderne Mönche sind durchaus mit den aktuellen Techniken vertraut. Ein Beweis hierfür mögen die Luftaufnahmen des Klosters sein, die vermutlich mit einer Drohne aufgenommen worden sind. Ich gestatte mir hier geistigen Fotodiebstahl und hoffe, dass er nicht geahndet wird.

Im Weggehen hat uns die innovative, freundliche Bedienung hinter der Corona-Maske noch eine Visitenkarte mit der Rufnummer des Restaurants, die man tatsächlich erreicht, mitgegeben. Sie lautet 02182-8802-47. Ich möchte damit ein gutes Werk für Christen aller Konfessionen tun, indem ich sie hier veröffentliche. Auf der Internetseite des Klosters steht sie nämlich nicht. Das Telefon an der Pforte ist nach Mittag nicht mehr besetzt. Als ehemaliger Telekommunikationsbediensteter in Aufsichtsfunktionen finde ich das nicht so optimal.

Wenn wir das nächste Mal kommen, wollen meine katholischen Begleiterinnen zunächst auch in die Kirche gehen, sofern ihr Appetit sie nicht daran hindert. Ich glaube, der Protestant darf auch mit.

Übernachten kann man im Kloster auch. Es gibt 9 Gästezimmer. Das Doppelzimmer für 95€ mit Frühstück.

Heinz Elflein

20.08.2022